Beachtennis
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Die Geschichte des Beachtennis-Sports
Die Anfänge der Sportart Beachtennis
Abb: Alex Mingozzi (vorn) und Matteo Marighella
Beachtennis hat seinen Ursprung in Italien, genauer an der italienischen Adriaküste. Anfang der 80er-Jahre werden im Gebiet um Ravenna die ersten Beachfelder gebaut. Zunächst spielen die Einheimischen hier Beachvolleyball. Parallel sieht man Kinder und Jugendliche mit Holzschlägern Beachball spielen. Es war nun ein kleiner Schritt, das Spiel mit den Schlägern ebenfalls auf einem Feld mit Netz und Linien auszuüben. So bleibt die Netzhöhe zunächst unverändert, erst später schraubt man es auf die jetzt üblichen 1,70 Meter.
Im Jahr 1988 wir Beachtennis zum ersten Mal als Turnier mit Tennisschlägern und einem 180 Zentimeter hohen Netz am Strand von Grado/Italien gespielt. Eine Gruppe von Münchner Sportlehrern spielte dabei mit ihren italienischen Kollegen von der Universität Triest auf dem damals einzigen Beachplatz am Strand von Grado-Pineta. Dieses Turnier wiederholte sich jedes Jahr am gleichen Ort bis 1998.
Das im Herbst 1998 erstmals in Landshut präsentierte Beachtennis geht auf Studien der beiden Sportpädagogen Adi Luger, Sparkassenakademie Landshut, und Prof. Dr. Eberhard Mensing, Sportwissenschaftliche Fakultät der TU München, zurück. Laut einer Untersuchung kommen mehr als 60 Prozent der Beachtennis-Spieler nicht vom Tennissport, sondern von anderen Sportarten wie zum Beispiel Volleyball. Hilfreich für die Entwicklung von Beachtennis sind nun auch die riesigen Strandanlagen an der Adria, auf denen immer mehr Felder entstehen und so den Begeisterten die Möglichkeit bieten, den Sport ohne größeren Aufwand und ohne Kosten zu praktizieren. So ist auch zu erklären, dass die heutigen Profis schon von klein auf mit dem Strand vor der Tür nur Beachtennis im Kopf hatten.
Ein Beachtennis-Verband in Italien
Im Jahr 1997 wird die I.F.B.T Italia gegründet, um die Aktivitäten rund um Beachtennis zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Dr. Giandomenico Bellettini ist seit den Anfängen dabei und fördert die Entwicklung maßgebend. Nach zahlreichen nationalen Meisterschaften versucht Bellettini im Jahr 2001, Beachtennis international bekannt zu machen und ruft die Weltmeisterschaften in Marina di Ravenna aus. Anfangs spielen nur Italiener mit, doch im Laufe der Jahre kommen immer mehr Nationen hinzu.
Der italienische Tennisverband (FIT) kommt im Jahr 2003 auf die Idee, Beachtennis offiziell in den Verband aufzunehmen. Gespräche mit Bellettini scheitern jedoch aus unterschiedlichen Gründen. Die FIT versucht, mit Sponsoren im Hintergrund Spieler von der I.F.B.T abzuwerben und eine eigene Turnierserie aufzubauen. Dies gelingt und führt zu einem Zerwürfnis zwischen den Spielern und ihrem Förderer Bellettini. Zudem gibt es Streit wegen der Schlägerhersteller, so pocht Gianni Bellettini zunächst darauf, dass Spieler, die bei der Firma Vision unter Vertrag stehen, nicht bei seinen Turnieren mitspielen dürfen. Diese Situation ändert sich erst 2006, fortan dürfen die Spieler bei allen Turnieren mitspielen. Die FIT sträubt sich allerdings dagegen, mit der IFBT zusammenzuarbeiten und so bleibt es zunächst bei den zwei Beachtennis-Lagern in Italien.
Die Streitigkeiten hatten selbstverständlich negative Auswirkungen auf die Weltmeisterschaften und den Beachtennis-Sport in Italien allgemein. Noch immer sind die Italiener im Teamwettbewerb unbesiegt, doch der Abstand zu den anderen Nationen, allen voran Deutschland und Frankreich, wird von Jahr zu Jahr geringer.
Deutschland hinkt hinterher
Der größte Unterschied bleibt die Spielweise von Beachtennis in Deutschland (und auch in den USA) mit Tennisschlägern zum Spiel mit den Paddle-Schlägern in Italien und den meisten anderen Ländern. In Deutschland wurde Beachtennis bislang als Breiten- und Fun-Sportart verstanden, sodass wir in der Entwicklung zurückgeblieben sind. Beim Deutschen Tennis-Bund (DTB) hatte Beachtennis einen nur untergeordneten Stellenwert, er wurde zum Teil als Konkurrenz-Sportart zum Tennis gesehen. Andere Nationen dagegen hoffen, Beachtennis ähnlich populär zu machen wie z. B. Beachvolleyball, das mittlerweile olympisch ist.
Im August 2007 haben Beachtennis-Unterstützer den Deutschen Beach-Tennis-Verband e. V. (DBTV) gegründet, der sich ausschließlich die Förderung des Beachtennis-Sports in Deutschland zur Aufgabe gemacht hat. Unter der Führung der Präsidentin Charlotte Hager soll zum einen die bisherige Spielweise mit Tennisschlägern beibehalten werden, zum anderen soll das Spiel mit den Paddle-Schlägern populärer gemacht werden. Spieler sollten selbst entscheiden können, welche Sportart ihnen besser gefällt. Jeder motivierte Spieler ist herzlich eingeladen, den DBTV bei seinen Aufgaben zu unterstützen. Im März 2008 veranstaltet der DBTV im beach38° in München die ersten deutschen Meisterschaften mit Paddle-Schlägern.
In Italien entstehen Trainingcamps und Fördergruppen für talentierte Jugendliche. Die Profis, allen voran Alex Mingozzi, Matteo Marighella, Paolo Tazzari, Marco Garavini und Nicola Gambi verdienen ihr Geld auf der Tour der FIT und geben nebenbei Trainerstunden. Die Voraussetzungen sind mit endlosen Sandstränden und einem milden Klima gegeben.
2009 folgt in Italien eine weitere Teilung der Verbände. Während die FIT ihren Weg geht, trennen sich die besten Spieler von der IFBT um Gianni Bellettini und starten bei einem neuen Verband, der sich aus den Firmen Vision, Tom Caruso und Rakkettone zusammensetzt und die Beachtennis-Tour 2009 organisiert. Dieser Verband organisiert im Sommer den World Cup in Rimini, der parallel zu den Weltmeisterschaften der IFBT in Ravenna stattfindet. Während die besten Beachtennis-Akteure in Rimini am Start sind, wird die WM in Ravenna nur noch schlecht besucht. In Deutschland plant der DTB, Beachtennis als eigenständige Sportart zu etablieren. Doch scheitert er zunächst an der finanziellen Notlage, in die der DTB geraten war.
Deutsche Meisterschaften auf dem Schmiden-Beach
Anfang 2010 schließen sich in Italien die FIT und der im vergangenen Jahr gegründete Verband zusammen und planen eine gemeinsame Zukunft unter dem Dach der ITF. In Fellbach entsteht der Beachclub2010, der künftig immer dann im Vordergrund stehen, wenn das Fellbacher Beachteam in Sachen Beachtennis unterwegs ist. Auf dem Sportgelände Tennwengert in Oeffingen wird eine Beachanlage gebaut, die hauptsächlich für Beachtennis gedacht ist. Der Beachclub2010 organisiert vom 30. Juli bis zum 1. August das zehnte Beachtennis-Turnier auf dem Schmiden-Beach. Das Highlight: Die Veranstaltung trägt den Titel der deutschen Beachtennis-Meisterschaften mit Paddle-Schlägern.